Der schwarze Würfel

Ich bin Kopfmensch oder dachte zumindest fast mein ganzes Leben lang, es zu sein. Ich traf Entscheidungen, nachdem ich darüber nachgedacht, die Konsequenzen abgewogen und Alternativpläne entworfen hatte. Das war schon immer so, und wenn meine Gefühle rebellierten, betäubte ich sie so lange mit Essen, bis sie unter den Lebensmittellawinen erstickten. So einfach war das. …

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Einsamkeit

Our language has created the word loneliness to express the pain of being alone. And it has created the word soltitude to express the glory of being alone. Paul Tillich Und damit willkommen im Dilemma der borderlin'schen Einsamkeit. Passt gerade sehr gut, war ja erst Wochenende. Ich hasse Wochenenden. Sonntage ganz besonders. Das sind die …

Abwechslungsreiche Tage

Klingt positiv, was? Soll es auch. Entgegengesetztes Handeln, Leute. Meine Gefühlslage ist nämlich gerade alles andere als positiv. Eher ziemlich düstergrau. Fifty shades of grey der Psyche - macht genauso wenig Spass wie das Buch. Schlechter Inhalt, schlechter Stil, schlechte Grammatik, lohnt sich also nicht. Das Buch konnte ich nach zwei Seiten einfach weglegen. Soll …

Wellenreiten

Oder Emotionssurfing, wie unser allseits beliebtes Manual es nennt. Etwas irreführend sind die Erläuterungen dazu, aber das erstaunt wohl niemanden mehr, der das Manual kennt. Schieben wir es - mal wieder - auf Übersetzungsfehler. Hey, nopody's perfect. Nun denn. Ich mag den Vergleich von Emotionen mit Wellen trotzdem. Die kommen und gehen, wie es ihnen …

Regenschirm

Erinnerst du dich noch, wie plötzlich es damals angefangen hat, zu regnen? Wie wir unter diesem Dach an der Haltestelle standen, du still lachend und ich laut fluchend - und ziemlich nass? Ich habe an meine Prüfungen gedacht. Die letzten Drei eines sechstägigen Marathons. Und du? Wenn ich das bloss wüsste. Ich hätte dich irgendwann …

Herztöne

Ich spiele wieder. Nach über dreizehn Jahren. Nach über dreizehn Jahren hatte ich am Freitag zum ersten Mal wieder ein Saxophon in den Händen. Zur Miete nur, mein Eigenes ist schon längst nicht mehr mein Eigenes, aber das macht nichts. Der Klang ist nicht derselbe, aber das bin ich auch nicht mehr. Es klingt, und …

We;terschreiben

So langsam kehrt der innere Tag zurück. Jetzt, wo das Wetter hier endlich bemerkt hat, dass wir nicht mehr Latein sprechen und den Oktober nun wirklich als den Zehnten akzeptiert. Oder, weniger weit ausgeholt: Es ist Herbst geworden. Und kühler. Schätze, damit ist meine sommerdepressive Phase endgültig vorbei. Ich bewege mich wieder. Laufend, reitend, fahrend, …

Bäume taufen

Sonntag. Der Tag, an dem alles ruhig ist und alle ruhig sind. Der Tag, an dem man zum Bäcker geht, um frische Brötchen zu holen und dann gemütlich bis Mittag frühstückt. Sonntag. Der Tag, an dem man sich erholt von der Woche. Ich hingegen brauche immer die halbe Woche, um mich vom Sonntag zu erholen. …

Das grosse Warum

Es baumelt seit meiner Kindheit an der Decke wie das Seil einer längst vergessenen Schaukel, und ich hänge mich regelmässig daran auf. Warum gibt es Rassismus? Warum wurde mein Vater so plötzlich so krank? Warum hat das niemand ausserhalb der Familie gesehen? Warum sind Elefanten so lange trächtig? Warum verlieren Kaugummis den Geschmack, obwohl das …

Doppelmensch

Schwieriges Thema heute. Kindheitserinnerungen. Oder: woher meine Verlustängste wirklich kommen. Vielleicht nahm meine Störungsgeschichte da ihren Ursprung. Das ist zwar nicht so wichtig, würde aber ins Bild passen. Ich war sechs Jahre, fünf Monate, drei Wochen und zwei Tage alt, als mein Dad verschwand und mein Vater seine Position in dessen Hülle einnahm. Von einem …