Auftreffen

Klingt ganz schön bescheuert, wenn man Update wörtlich übersetzt. Aber es ist lange her seit dem letzten Eintrag und, ich muss es leider zugeben, ein besserer Titel ist mir nicht eingefallen. Und damit willkommen in meinem persönlichen Kopfsalat. Wird Zeit, diesen Salat mal zu waschen. Nicht, dass er zu Schimmeln beginnt. Igitt.
Aber es geht hier nicht um Salat. Es geht darum, dass mir generell recht wenig einfällt zur Zeit. Es bleibt also nicht bei dämlichen Beitragstiteln. Ich stecke fest. Rundum. Wie eine Giraffe im Treibsand: eingesperrt bis zum Hals, aber kurz vor dem endgültigen Versinken stösst das arme Vieh auf Grund. Es reicht nicht zum Sterben, aber an Befreiung ist auch nicht zu denken. Genau so fühle ich mich. Ich hänge in einer Warteschleife, komme nicht voran, teilweise auch aufgrund äusserer Umstände, mir fehlt eine sinnvolle Beschäftigung, und es fällt mir unheimlich schwer, meine Gefühle nach aussen hin zuzulassen. Ich verstecke sie (praktisch, dass Treibsand nicht durchsichtig ist). Vor Freunden, vor der Familie sowieso, vor meinem Freund und sogar vor meiner Therapeutin. Dass das – vor allem Letzteres – recht doof ist, liegt auf der Hand. Ist ja nicht so, dass ich erst seit gestern bei ihr in Behandlung wäre. Ist ja nicht so, dass sie es nicht merken würde. Trotzdem. Ich habe Angst. Angst davor, mich in diesem Zustand jemandem zuzumuten. Spoiler: Es geht mir nicht gut. Gar nicht.
Und ich komme mir so blöd vor dabei. Weil es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Ich habe zwar noch nicht den Job, den ich haben will, aber meine Güte, wie vielen anderen Menschen geht das auch so? Meine Eltern hatten beide nie den Job, den sie eigentlich gewollt hätten. Mein Vater wollte Pilot werden (da hab ich wohl doch was von ihm geerbt) und endete nach zahlreichen Filialleitungen in Einkaufsläden als Parkhauswächter in einer Klinik. Meine Mutter wollte Goldschmiedin werden oder beim Zirkus arbeiten (nicht als Artistin) und sitzt nun täglich acht Stunden (oder mehr) auf einer Bank. Gut, glücklich war mein Vater nie, und ich behaupte, meine Mutter ist es auch nicht. Aber sie lebt irgendwie damit. Ohne grosses Gedönse. Ohne Kopfschmerzen und Übelkeit beim Gedanken daran, dass am nächsten Tag der Wecker wieder klingelt.
Und ich? Ich bin zur Zeit Praktikantin in einer Psychiatrie (ja, das ist grotesk-lustig). Habe ich mir selbst ausgesucht. Das Team ist total nett und hilfsbereit, mit den Patienten komme ich klar, die Station ist nicht ungemütlich, und ich kann dort wertvolle Erfahrungen für die spätere Ausbildung sammeln. Warum also das verdammte Theater? Warum liege ich seit dem ersten Tag schlaflos im Bett und fange mitten in der Nacht an, zu weinen? Warum fahre ich bewusst zu langsam, je näher ich der Klinik komme (sorry an alle anderen Verkehrsteilnehmer auf der Strecke – ich kann nichts dafür, ich hab‘ einen an der Waffel)? Warum will ich da verdammt nochmal nicht hin, obwohl ich es noch viel weniger aushalte, alleine zu Hause zu sitzen? Kann doch nicht sein, dass ich es nicht gebacken kriege, einfach mal die Zähne zusammenzubeissen! Ich werd‘ schon noch einen Ausbildungsplatz finden. Auch wenn es noch ein bisschen dauert. Scheiss Drama.
So. Das war der invalidierende Teil meiner Gefühlswelt. Du hast kein Recht, dich so zu fühlen! Stell dich nicht so an! Reiss dich zusammen!
Hmm. Kenne ich doch von irgendwo. Von ganz früher nämlich. Von damals, als ich noch ein kleines Kind war und mich sehr oft nicht so anstellen sollte. Von der Zeit mit Essstörung, als in Afrika Kinder verhungerten, während ich nur hätte essen müssen. Von der Unizeit, als ich nicht hinging, obwohl andere froh um mein Talent gewesen wären. Und so weiter. Nicht sehr nett. Nicht sehr hilfreich.

Netter und hilfreicher wäre es, einfach mal zu akzeptieren, dass mir etwas fehlt. Eine sinnvolle Aufgabe. Und, ganz platt, ein entsprechendes Gehalt. Es macht nämlich keinen Spass, mit dreissig vom Sozialamt abhängig zu sein. Aber darum geht’s nicht hauptsächlich. Ich glaube, du hast zu viel Zeit mir dir selbst, sagte mein Freund heute Morgen. Stimmt. Und gleichzeitig verliere ich mich. Das ist ganz schön absurd (was in einem Blog über Borderline zum Glück nicht so auffällt).
Nun ja. So viel dazu. Ich bin also mal wieder ein kleines oder grosses Bisschen depressiv. Sollte ich wohl akzeptieren. Kennen wir ja. Umbringen will ich mich diesmal zwar nicht, aber es geht mir schon ziemlich auf den Keks. Und ich hab nicht mal Kekse zu Hause. Ganz toll.

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2 Antworten auf “Auftreffen”

  1. Liebe Elin,
    danke für deine Zeilen. Genau so gehts mir auch gerade. Ich habe mich schon gefragt wann die Rakete hoch geht. Einen Grund gibts nicht wirklich und ich finde mich in einer Leere, die so leer ist, dass mir nichts einfällt. Mir fällt einfach nichts ein. Ich weiß einfach nicht, was ich hier kommentieren soll. Ich kann dir nur sagen, dass du nicht alleine damit bist und wir uns hoffentlich bald gegenseitig an unseren Beiträgen erfreuen werden. Versuche herauszufinden, woran du noch arbeiten kannst (ich weiss es erscheint furchtbar schwierig, wenn eigentlich alles in Ordnung ist). Mir beispielsweise ist aufgefallen, dass ich noch einige Ängste habe und, dass solche „Tiefs“ mir spiegeln was da noch in mir ist. Schau dir das Gefühl der Angst mal genauer an.. Und jetzt bilde ich mir ein, dass ich mit diesem Kommentar etwas bewegt habe. Pass auf dich auf und hab trotz allem einen guten Tag! Alles Liebe. E.

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