Fluchen Sie!

Das war vor etwa drei Jahren eine ernstgemeinte Anweisung meiner Bezugsperson in der Klinik. Während wir Tischfussball gespielt haben. Ich war damals nämlich schon mit zweieinhalb Beinen in der Hochspannung, und das war der Versuch, da wieder rauszukommen. Wenigstens mit der Hälfte der beteiligten Extremitäten. Spoiler: Es hat funktioniert. Nicht wegen des Spiels, sondern weil ich so lachen musste, als wir gemeinsam vor uns hin fluchten.

Heute war wieder so ein Tag. Mein Lastwagenfahrlehrer ging mir auf den Keks. Das Wetter auch. Und vor allem der Ämterkrieg, der die Situation noch schwerer macht, als sie ohnehin schon ist. Ich will ja arbeiten. Wirklich. Vor allem will ich diese Ausbildung unbedingt. Wofür ich den LKW-Führerschein brauche. Und natürlich Fahrstunden. Dafür wollte ich also einen Termin verschieben. Früh genug und sehr höflich. Vier Mails später dann nicht mehr ganz so höflich, weil die zuständige Sozialarbeiterin sich querstellte und mir zu verstehen gab, dass die Prüfung nicht nötig sei, weil ich die Ausbildung ohnehin nicht hinkriegen würde. Das habe ich von zuständiger Stelle schon einmal gehört. Und täglich grüsst das Ämtertier. Lasst euch mal was Neues einfallen, Leute, es wird allmählich langweilig.
Nun ja. Nach einer ziemlich klaren Ansage, dass die Fahrschule und die bevorstehende Prüfung Priorität für mich haben, ging es dann doch. Oh Wunder.
Die Schlacht mit dem anderen Amt ist ebenfalls gewonnen. Ich kann meine Miete zwar erst am Freitag bezahleln, aber immerhin habe ich Recht bekommen. Und eine Entschuldigung für das Chaos. Das tut ein bisschen gut.

Angespannt bin ich trotzdem. Und wie. Weil: Booorderliiine! Juhui. Ich könnte an die Decke gehen, aber die ist leider nicht weit genug entfernt. Ich könnte etwas kaputtschlagen, aber ich bin gerade bei meinem Freund, und seine Plattensammlung kann doch recht wenig dafür. Ich könnte schreien, aber auch seine Nachbarn sind unschuldig (und er sowieso).
Es ist nicht mehr so wie vor drei Jahren. Ich laufe nicht mehr Gefahr, mich wegen der Anspannung und der Wut selbst zu verletzen. Trotzdem musste ich an damals denken. Daran, wie gut es tat, einfach mal unanständig zu sein. Die Plastikspieler auf dem Tischfussballfeld als unfähige Arschlöcher zu betiteln. Der Ball war ein hohler, käseweisser Fettsack mit Akne. Und überhaupt war das ganze Spiel eine riesengrosse, verdammte Scheissaktion, die ich verflucht noch mal zum Kotzen fand. So. Und dann haben wir gelacht, und alles war ein bisschen besser.
Zum Lachen ist mir jetzt nicht. Aber diese Ämter sind sowas von idiotisch. Da sitzen kleine, minderwertigkeitskomplexbehaftete, impotente und untervögelte Riesendeppen hinter ihren Schreibtischen und entscheiden mal eben, dass Menschen, die sie persönlich nicht kennen, dieses oder jenes nicht schaffen werden. Was bilden sich diese Vollpfosten eigentlich ein?

Tja, was denn? Keine Ahnung. Aber es ist befreiend, das mal rauszulassen. Weil: Fluchen Sie!Manchmal muss das eben sein. Is e ois Oasch, wie’s auf Wienerisch so schön heisst. Nicht grundsätzlich, aber heute eben schon.

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3 Antworten auf “Fluchen Sie!”

  1. Oh wie schön! Ich bin ein ganz, ganz großer Fan von „einfach“ mal losfluchen – vor allem, wenn das die Anspannung so viel gesünder kleiner werden lässt als alles, was vielleicht früher da war. Liegt aber vielleicht dran, dass ich in Wien wohne und hier, wie du richtig geschrieben hast, eh ois Oasch is 😉

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    1. Hat tatsächlich geholfen – werde ich mir auf meine Skillsliste schreiben😁.
      Habe auch schon festgestellt, dass in Wien gerne mal geflucht wird, vor allem beim Autofahren (nenn mich bekloppt, aber ich find’s irgendwie sympathisch:D).
      „Is eh ois Oasch“ habe ich übrigens als Postkarte im Morawa gesehen (Wollzeile), aber leider nicht gekauft. Hätte ich vielleicht machen sollen, aber da mein Freund Wiener ist und seine Familie dort lebt, stehen die Chancen sehr gut, dass ich öfter mal dort bin🙃…

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      1. Sehr schön :))
        Hihi ja ich find das auch sympathisch. Viele Dinge, die erst mal krass klingen („Heast, Gschissener“ als Einleitung von Sätzen zum Beispiel) ist ja oft auch halb liebevoll gemeint :D.
        Falls ich so eine Postkarte mal sehe, nehm ich sie mit und schick sie dir 🙂

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