Ölgedanken

Ich mag mich gerade nicht.
Dabei könnte ich es eigentlich auch schon belassen; ich weiss irgendwie nicht, was ich sagen soll, kann, darf, muss. Fühle mich leer. Und ohnmächtig. Ausgeliefert. Nutzlos. Überflüssig. Und müde.
Noch vor acht Tagen hatte ich einen Plan B. Eine andere Möglichkeit für mein Leben, falls es mit der Ausbildung im Rettungsdienst nicht klappen sollte. Ich bin zwar einen Schritt weiter, aber sicher ist noch gar nichts. Es kann noch immer schiefgehen. Dann hätte ich noch einmal studiert. Psychologie. Später vielleicht als Polizeipsychologin gearbeitet. Oder in einem Kriseninterventionszentrum. Oder möglicherweise auch in einer Klinik. Mit Borderlinern vielleicht. Das hätte mir gefallen, das hätte sich sinnvoll angefühlt, und ich glaube, ich hätte das gut gemacht. Ich hätte das gekonnt, trotz oder gerade wegen meiner Geschichte. Ich hätte vielleicht etwas bewirken können.
Hätte. Scheiss Konjunktiv. Weil nämlich das Sozialamt, von dem ich momentan leider abhängig bin, entschieden hat, dass ein erneutes Studium nicht finanziert wird. Heisst konkret: Wenn ich zurück an die Uni gehe, wird jegliche Unterstützung gestrichen. Das hört sich jetzt an, als würde ich eine volle Finanzierung während weiterer fünf Jahre erwarten. Natürlich nicht. Ich würde selbstverständlich nebenbei arbeiten wollen. Nur ist es in der Schweiz (ohne Berufsausbildung) nicht möglich, den Lebensunterhalt und die Kosten, die fürs Studium anfallen, mit einem Nebenjob zu verdienen, der es zeitlich zulässt, Vollzeit zu studieren. Ich müsste geschätzte achtzig Prozent arbeiten und hundert Prozent studieren. Auch wenn ich nicht Mathematik studieren wollte: Das geht nicht auf. Ich bräuchte Unterstützung. Kriege ich aber nicht. Wir sind nicht dazu da, dass Sie sich Ihre kleinen Träumchen erfüllen können, sagte der Typ, der für mich zuständig ist. Und dass mit meiner Diagnose die Ausbildung im Rettungsdienst ebenfalls utopisch ist. Idiot. Ich habe ihn gefragt, was er sich eigentlich anmasse, Dinge zu beurteilen, von denen er so offensichtlich keine Ahnung hat, und dann war das Gespräch vorbei. Fand er wohl nicht so angebracht. Tja. Blöd für ihn. Auch wenn er am längeren Hebel sitzt, irgendwann reichts.

Das aber nur zur Situation. Warum können Sie sich nicht leiden? Frage meiner Therapeutin. Die Kernfrage. Es ist kontraproduktiv, schon klar. Aber ich gebe mir die Schuld für die Situation. Hättest eben nicht dein halbes Leben mit Fressen und Kotzen verbringen sollen. Müsstest halt weniger gestört sein. Solltest nicht du sein. Ich fühle mich so sinnlos. So überflüssig. Wie ausgelaufenes Öl aus einem Motor; irgendwer muss es wegräumen (heute war ich das: der zweite Feuerwehreinsatz in diesem Jahr), aber wenn es auf der Strasse liegt, hat es keinen Nutzen mehr. Ich liege auch bloss noch rum. Emotional depressiv, aber wenigstens funktioniert die Handlungsebene noch. Nur, ich habe Angst. Ich will nicht für den Rest meines Lebens auf der Strasse liegen und auf den Ölbinder warten. Ich will in meinen Motor zurück. Etwas zum Laufen bringen.

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3 Antworten auf “Ölgedanken”

  1. Ich würd dir so gerne so viele warme und freundliche und schlaue Gedanken hierlassen, wie du sie für mich schon so oft hattest, aber zwei Uhr morgens ist vermutlich nicht die beste Zeit dafür. Darum einfach nur: Ich denk an dich. Und ich hoffe, du träumst grad einen Traum, in dem du dich einfach nur gut fühlst und wachst dann morgen nicht wie ausgelaufenes Öl sondern frisch geschmiert auf. Mit ganz viel Kraft. Weil du diesem Idioten beweisen wirst, dass du die Ausbildung schaffst und auch sonst schaffen kannst, was du dir vornimmst! Pass auf dich auf.

    Gefällt 2 Personen

    1. Zwei Uhr morgens ist perfekt dafür, liebe Nina! Jedenfalls hast du’s geschafft, und das schätze ich sehr. Tut gerade einfach gut. Also: danke. Wie geschmiert lief’s heute zwar nicht, aber immerhin musste ich raus an die frische (sehr frische) Luft, Pony sei Dank, und konnte meinen Serotoninspiegel ein bisschen aufladen. Geht also einigermassen heute:).
      Pass du auch auf dich auf.
      Alles Liebe
      Elín

      Gefällt 1 Person

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